Eichenbrett

10 Jahre österreichischer Eichenherkunftsversuch

10 Jahre österreichischer Eichenherkunftsversuch

Österreichischer Eichenherkunftsversuch: deutliche Unterschiede zwischen Herkünften nach zehn Jahren Forschung

Die Eiche ist eine vielversprechende Alternative im Klimawandel, ihre potenzielle Anbaueignung wird auch in Österreich auf vielen Standorten signifikant zunehmen. Erkenntnisse zur genetischen Bandbreite des am Markt verfügbaren Pflanzmaterials sind eine wichtige Voraussetzung für die Wahl der richtigen Herkunft. Am 5. Juni 2018 präsentierte das Institut für Waldgenetik des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW) daher erstmals die Ergebnisse der mittlerweile zehnjährigen Versuchserie in Weistrach (Niederösterreich). 

10 Jahre österreichischer Eichenherkunftsversuch

Im Rahmen des Projektes PROEICHE wurde vom Institut für Waldgenetik des BFW 2006 und 2007 eine neue Versuchsserie mit Stiel- und Traubeneiche  angelegt. Auf insgesamt fünf Flächen mit unterschiedlichen klimatischen Bedingungen sollte die genetische Variation im Wachstum zwischen und innerhalb 22 heimischer und ausländischer Eichenherkünfte untersucht werden. Da alle Flächen 2017 das Alter 10 erreicht hatten, stand heuer eine Jubiläumsveranstaltung ins Haus, welche mit über 120 interessierten Gästen aus Wissenschaft und Praxis sehr gut besucht war. Um das Erforschte greifbarer zu machen, wurde der Hörsaal am Nachmittag in den Wald verlegt. So bekamen alle Besucher die Möglichkeit, sich genetische Forschung live auf einer der fünf Versuchsflächen anzuschauen.

10 Jahre österreichischer Eichenherkunftsversuch

Heimisches Material an der Spitze

Unter den 22 getesteten Herkünften kristallisieren sich nach zehn Jahren bereits deutliche Unterschiede heraus. So zeigen die Herkünfte Linz, Luising und Klagenfurt signifikant besseres Höhen- und Dickenwachstum, verglichen mit allen anderen Herkünften. Andere Provenienzen wiederum stechen nach zehn Jahren durch überragende Formeigenschaften und Geradschaftigkeit hervor. Insbesondere die Herkünfte Spessart (Deutschland, Traubeneiche), Hluboka (Tschechien, Stieleiche) und Geinberg (Österreich, Stieleiche) sind hier hervorzuheben. Im Versuch werden neben 14 heimischen auch acht Herkünfte aus dem benachbarten Ausland geprüft, u.a. Herkünfte Deutschland, Tschechien, Ungarn, Slowenien und Kroatien (Slawonische Stieleiche). Neben der formschönen Traubeneichenherkunft Spessart sowie der tschechischen Stieleichenherkunft Hluboka fanden sich jedoch alle anderen ausländischen Herkünfte entweder im Mittelfeld oder ganz am hinteren Ende der Bewertung wieder. Heimische Saatguterntebestände von Stiel- und Traubeneiche müssen sich daher nicht verstecken und sollten insbesondere in Mastjahren zukünftig regelmäßiger beerntet werden.

 

10 Jahre österreichischer Eichenherkunftsversuch

Kritischer Blick auf derzeitige Saatgutsituation in Österreich

Begleitet wurde die Veranstaltung in Weistrach von zwei Gastreferenten. DI Lukas Baumgartner, u.a.  zuständig für forstliches Vermehrungsgut beim Landesforstdienst Niederösterreich, referierte über die derzeitige Bedeutung der Eiche in Niederösterreich als Alternative zur Fichte. Eine seiner Kernaussagen war, dass mehr als die Hälfte der Waldfläche in Niederösterreich unter natürlichen Bedingungen von Laubwaldgesellschaften dominiert werden würde. Daher wird die Eiche gerade auf trockeneren Standorten (potenzielle Traubeneichenstandorten) in Niederösterreich zukünftig an Bedeutung gewinnen. Mag. Hannes Gadermair (Forst.Pflanzen.Pflege Gadermair) referierte stellvertretend für die Forstpflanzenproduzenten in Österreich. In seinem Vortrag wurde deutlich, dass dezidierte Herkunftsempfehlungen sowie die Planung und Anlage von Samenplantagen zur nachhaltigen Versorgung des österreichischen Marktes mit qualitativ hochwertigem Eichensaatgut zukünftig noch stärker in den Fokus der Wissenschaft  rücken müssen.
10 Jahre österreichischer Eichenherkunftsversuch

Reges Interesse auf der Versuchsfläche

Dr. Jan-Peter George und Ing. Lambert Weißenbacher (beide BFW) führten die Besucher in Weistrach durch den Tag. Auf der Versuchsfläche  bekamen schließlich alle Besucher am Nachmittag  die Möglichkeit, sich ein detailliertes Bild der einzelnen Herkünfte zu machen. Dabei wurde neben der Genetik auch intensiv über Aspekte des Waldbaus und der Pflegemaßnahmen diskutiert. Trotz der außergewöhnlich hohen Temperaturen an diesem Tag war die Veranstaltung  geprägt von großem Interesse und einer selten dagewesenen Diskussionsfreude (BFW2018).

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