Baumpflege Salzburg

Rosskastanien-Sterben im städtischen Grün

Rosskastanien-Sterben im städtischen Grün

Gerade in städtischen Gebieten, in Biergärten und entlang von Alleen, ist die Rosskastanie eine beliebte Baumart. Aktuell macht ihr das Rosskastanien-Sterben schwer zu schaffen. Welche Folgen hat das und welche Maßnahmen können ergriffen werden?

Rosskastanien-Sterben im städtischen Grün, Rosskastanien-Sterben, Rosskastanien-Pilz, Kastanien-Miniermotte, Verkehrssicherung Kastanie, Kastanienproblematik, Kastanien-Blattverfärbung, Kastanienverfärbung, Kastanien in Gefahr, Kastanien in städtischen Gebieten, Kastanien-Problem, Aesculus hippocastanum

Die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) ist auf der Balkanhalbinsel beheimatet. Erst seit Beginn des 18. Jahrhunderts gehört sie zur Mitteleuropäischen Flora, vor allem als Charakterbaum der städtischen Grünanlagen. Bisher kommen nur relativ wenige Krankheiten an dieser Baumart vor. Auffällig sind dabei die Blattbräune (Guignardia aesculi) sowie die Kastanien-Miniermotte (Cameraria ohridella). Bei beiden überwiegt neben den Zuwachsverlusten die ästhetische Wertminderung des weitverbreiteten Park- und Gartenbaums.

Inhalt:

Rosskastanien-Sterben im städtischen Grün, Rosskastanien-Sterben, Rosskastanien-Pilz, Kastanien-Miniermotte, Verkehrssicherung Kastanie, Kastanienproblematik, Kastanien-Blattverfärbung, Kastanienverfärbung, Kastanien in Gefahr, Kastanien in städtischen Gebieten, Kastanien-Problem, Aesculus hippocastanum

Leider kein Schönheitsfehler

Nicht so das Rosskastanien-Sterben. Es wird vom Bakterium Pseudomonas syringae pv. aesculi – kurz Pae – ausgelöst. Es wurden 1969 in Indien nachgewiesen und in Europa erstmals 2002 in den Niederlanden beobachtet. Der Erstnachweis für Deutschland erfolgte 2007 (Hamburg), mittlerweile ist das Bakterium in weiten Teilen Mitteleuropas vorhanden. Es ist noch nicht bekannt, wie sich Pae von Baum zu Baum verbreitet, vermutet wird eine Windverbreitung.

Das Rosskastanien-Sterben gilt als Komplexerkrankung. Dabei übernimmt Pae als Primärschädling eine Türöffner-Funktion für nachfolgende holzzerstörende Pilze. Als äußeres Symptom an der Weiß- und Rotblütigen Rosskastanie zeigen sich neben Blattschäden auch lokal begrenzte Rindennekrosen. Diese begünstigen verschiedenste Fäuleerreger als Sekundärschädlinge, deren Befall zum eigentlichen Sterben des Baumes führt. Andere Aesculus-Arten (z.B. A. paviaA. flava) werden hingegen weniger befallen.

Krankheitsverlauf und Symptome

Bei Befallsbeginn zeigt die Rosskastanie keine oder nur sehr unauffällige und unspezifische Symptome. Nach einer Infektion sind eine schüttere Krone sowie Kleinblättrigkeit und Aufhellung des Laubes (Abb. 1) erkennbar. Im Frühjahr zeigt sich am Stamm oder auch an starken Ästen rostfarbene oder geschwärzte Flüssigkeit, die aus Rissen in der Rinde quillt, und nekrotisches Phloem (Abb. 2). Das ist umso häufiger und auffälliger, je dünner die Rinde ist. Bei warmen Temperaturen kann gelblicher Bakterienschleim austreten und schneidet man in die Rinde, bildet sich Schaum.

Die blutenden Flecken trocknen den Sommer über äußerlich ein und verbleiben gut erkennbar als schwärzliche Kruste. Im weiteren Krankheitsverlauf reißt die abgestorbene Rinde durch das fortgesetzte Dickenwachstum auf, der Holzkörper ist zu sehen (Abb. 3); Kronenteile sterben ab.

Häufig folgen innerhalb kurzer Zeit holzzersetzende Pilze wie der Austernseitling, der Samtfußrübling, der Violette Knorpelschichtpilz oder der Spaltblättling. In der letzten Phase der Erkrnakung treten dann die Fruchtkörper der Sekundärschädlinge mehrheitlich im Winterhalbjahr zutage. Zu diesem Zeitpunkt ist die Weißfäule bereits weit vorangeschritten und die Stabilität der befallenen Baumkompartimente nicht mehr gewährleistet. Zwischen dem Erstbefall durch Pae und dem Erscheinen der Fruchtkörper können je nach Vitalität des Baumes und der Aggressivität der holzzerstörenden Pilzarten mehrere Jahre vergehen.

Infektion durch die Kastanienminiermotte?

Unbekannt ist weiterhin, ob ein eine jahreszeitliche Präferenz für die Infektion gibt und wie die Ausbreitungsmechanismen von Pae sind. Da das Bakterium Weiß- und Rotblütige Kastanien gleichermaßen befällt, die Kastanienminiermotte hingegen nur Weißblütige Rosskastanien, ist ein Zusammenhang nicht zu erwarten.

Handlungsempfehlungen in der Stadt

Beste Prävention scheint es zu sein, die Vitalität der Rosskastanien zu stärken. Hierzu gehören neben einer guten Wasserversorgung – vor allem in Trockenphasen – auch eine ausreichende Nährstoffversorgung und die Stressvermeidung durch beispielsweise Bodenverdichtung oder Wurzelverletzungen. Baumpflegemaßnahmen sollten auf ein Minimum beschränkt werden.

Es sollten so viele gesunde Rosskastanien wie möglich erhalten werden, insbesondere vitale Bäume können lokale Stammschäden abschotten und sich revitalisieren. Altbäume widerstehen dem Erreger deutlich besser als Jungbäume, die häufig nach wenigen Jahren absterben.

Mit dem Bakterium infizierte Bäume sollten aus heutiger Sicht nur dann gefällt werden, wenn nachfolgende Erreger den Baum befallen und die Verkehrssicherheit gefährdet ist. Dann sollte infiziertes Material möglichst in geschlossenen Behältern oder abgedeckt abgefahren und anschließend verbrannt oder zuverlässig kompostiert werden (Erhitzung auf über 60 °C nötig). Hacken oder Schreddern gilt es zu vermeiden; Werkzeuge müssen desinfiziert werden.

Von Neu- oder Nachpflanzungen von Rosskastanien an Stressstandorten im städtischen Grün ist abzuraten. Als Ersatz eignen sich z.B. Vogelkirsche oder Esskastanie gut.

Rosskastanien-Sterben im städtischen Grün, Rosskastanien-Sterben, Rosskastanien-Pilz, Kastanien-Miniermotte, Verkehrssicherung Kastanie, Kastanienproblematik, Kastanien-Blattverfärbung, Kastanienverfärbung, Kastanien in Gefahr, Kastanien in städtischen Gebieten, Kastanien-Problem, Aesculus hippocastanum

Bekämpfung und Ausblick

Aufgrund seiner endophytischen Lebensweise lässt sich das Bakterium von außen schlecht kontrollieren. Es stehen keine zugelassenen Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung zur Verfügung. Forschungen haben ergeben, dass eine zweitägige Wärmebehandlung bei 39 °C ausreichend ist, um Pae zu inaktivieren, während die Wirtspflanze minimal beeinflusst wird. Eine praxistaugliche Anwendung ist derzeit noch nicht auf dem Markt.

Die Krankheit ist sehr ernst zu nehmen, auch wenn es Hinweise auf eine gewisse Resistenzhäufigkeit in der natürlichen Rosskastanienpopulation gibt. In den kommenden Jahren ist mit einer Ausweitung des vom Rosskastanien-Sterben betroffenen Schadgebiets zu rechnen. Im Stadtbild, in Parkanlagen, Biergärten und als Straßenbegleitgrün wird die Rosskastanie seltener werden.

Rosskastanien-Sterben im städtischen Grün, Rosskastanien-Sterben, Rosskastanien-Pilz, Kastanien-Miniermotte, Verkehrssicherung Kastanie, Kastanienproblematik, Kastanien-Blattverfärbung, Kastanienverfärbung, Kastanien in Gefahr, Kastanien in städtischen Gebieten, Kastanien-Problem, Aesculus hippocastanum

Die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum)

Die Rosskastanie ist als einer der beliebtesten Stadt-, Park- oder Alleebäume bekannt. Nach der Blütenpracht im Frühling wird im Sommer das Schatten spendende Blätterdach geschätzt sowie im Herbst basteln die Kinder aus den Früchten die altbekannten Figuren.

Jung und Alt scheinen die Rosskastanie zu kennen. Wirklich? Sicher im Frühling wegen ihrer einzigartigen Blütenpracht und im Herbst wegen der reichlich vorhandenen, mahagonibraunen Samen, den Kastanien. Doch hinter diesem Baum steckt einiges mehr. Ursprünglich stammt die Rosskastanie vom östlichen Balkan. Sie wurde gemäss dem Botaniker Carolus Clusius 1561 via Konstantinopel nach Prag und 1576 nach Wien gebracht. Dort wurde sie mit Erfolg ausgesät und als Zier- und Alleebaum nachgezogen.

Für ihren Namen gibt es mehrere Erklärungen. So wird vermutet, dass der Name „Ross“ nicht anstelle von „Pferd“ steht, sondern auf das alte Wort „ross“ zurückgeht, welches „falsch“ bedeutet. Denn mit der Esskastanie ist die Rosskastanie nicht verwandt. Die Bezeichnung Rosskastanie könnte aber auch auf die Griechen zurückzuführen sein. Sie gebrauchten die Bezeichnung hippos (Pferd) und kastanon(Kastanie). Damit ist nahe liegend, dass die griechischen Wörter einfach mit „Rosskastanie“ übersetzt wurden.

Im Volksmund sind von Region zu Region die unterschiedlichsten Namen geläufig, wobei nicht immer mit Bestimmtheit die Rosskastanie gemeint ist: Chestene, Kastüterä, Rosschegälä, Chegäläbaum, Saukestänä, Bitterkastanie sowie Gichtbaum, was auf die Heilwirkung hinweist. Die Ortsnamen „Kastanienbaum“ und vor allem „Castasegna“ weisen eher auf die Edelkastanie hin.

Botanik

Die in der Schweiz am häufigsten gepflanzten Varianten sind die weiss blühende Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) und die rot blühende Rosskastanie (Aesculus x carnea). Sie gehören zur Familie der Rosskastaniengewächse, die 13 Arten umfasst. Die Edel- oder Esskastanie (Castanea sativa) gehört hingegen zur Familie der Buchengewächse und ist mit der Rosskastanie botanisch nicht näher verwandt.

Kennzeichnend für die Rosskastanie sind der kurze, oft drehwüchsige Stamm und die weit ausladende, im Sommer Schatten spendende Krone. Ihre fünf- bis siebenfach handförmig gefiederten, länglichen, verkehrt sitzenden Blätter können bis 25 cm lang werden. Für einen Baum in unseren Breitengraden einzigartig ist die Blütenpracht. Die 20 bis 30 cm grossen, aufrecht stehenden, vielblütigen Rispen erinnern an einen Kerzenschmuck. Aus bis zu 100 Einzelblüten setzt sich eine solche“Blütenkerze“ zusammen. Die mit einem gelben Farbmal versehenen Blüten dienen den Bienen und Hummeln als Wegweiser zum Nektar.

Nach der Bestäubung ändert sich die Blütenfarbe von einem leuchtenden Gelb in ein intensives Rot – für Insekten gleichbedeutend wie ein Stoppsignal. Die im September/Oktober reifen Früchte befinden sich in einer 5–6 cm grossen, grünen und sehr stacheligen Schale. Die 1–3 cm grossen Samen glänzen „kastanienbraun“ und haben oberseitig einen hellgrau-braunen Nabelfleck. Im Gegensatz zur Edelkastanie (Maroni) können die Rosskastanien nur von Tieren verzehrt werden und dienten früher speziell den Schweinen und Schafen als Futter. Hin und wieder werden Rosskastanien noch heute in Wildpärken und Farmen dem Dam- und Sikawild verfüttert.

Heilkunde und Mythologie

Vieles an der Rosskastanie findet in irgendeiner Weise in der Heilkunde Verwendung, aber auch in der Kosmetik und in der Farbindustrie. Der heilende Wirkstoff Aesculin wird aus der Rinde und Aescin aus Samen gewonnen. Diese Stoffe erhöhen beim Menschen den Venendruck und ziehen die Blutgefässe zusammen.

In der Hosentasche getragene reife Früchte sollen bei Gicht und Rheuma Linderung bringen. Für Wanderer, Velofahrer und Reiter empfehlen Naturheiler das Mittragen von Rosskastanien, um dem „Wolf“ (entzündete Hautpartien durch Scheuern) vorzubeugen. Esoteriker schreiben den Rosskastanienbäumen besondere Kräfte zu. Weil diese Bäume einerseits Ruhe und Ausgleich vermitteln, andererseits eine nervenstärkende Ausstrahlung haben, empfehlen „Baum-Umarmer“ einen regelmässigen Kontakt mit ihnen.

Durch Rosskastanien-Miniermotte gefährdet

Seit Ende der 1980er-Jahre wird die Rosskastanie in Mitteleuropa von einer kleinen Mottenart bedroht. Die erst 1984 in Mazedonien entdeckte Rosskastanien-Miniermotte (Cameraria ohridella) ist dafür verantwortlich, dass auch bei uns zahlreiche Rosskastanien bereits im Juli/August braune oder gar kahle Kronen aufweisen. Der vorzeitige Laubfall schwächt den Baum. Das knapp 5mm lange weibliche Insekt bevorzugt zur Eiablage vor allem die Blätter der weiss blühenden Rosskastanie.

Wann auch immer wir in diesem Jahr der Rosskastanie begegnen, entzücken wir uns doch an ihrer einmaligen Blütenpracht im Frühling, geniessen wir einen schönen Sommertag unter ihrem Schatten spendenden Kronendach, beispielsweise in einem Biergarten, oder erfreuen wir uns im Herbst an den sich leuchtend gelb verfärbenden, riesigen Blättern.

Rosskastanien-Sterben im städtischen Grün, Rosskastanien-Sterben, Rosskastanien-Pilz, Kastanien-Miniermotte, Verkehrssicherung Kastanie, Kastanienproblematik, Kastanien-Blattverfärbung, Kastanienverfärbung, Kastanien in Gefahr, Kastanien in städtischen Gebieten, Kastanien-Problem, Aesculus hippocastanum

Dossier: Kastanien

In Mitteleuropa kommen die Edelkastanie (Castanea sativa) und die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) vor. Die beiden Arten sind genetisch nicht miteinander verwandt, lediglich die Früchte weisen eine gewisse Ähnlichkeit auf. Die Edelkastanie zählt zur Familie der Buchengewächse, die Rosskastanie zur Familie der Seifenbaumgewächse (früher: Rosskastaniengewächse). Sowohl Edel- als auch Rosskastanie waren ursprünglich bei uns nicht heimisch.

Südschweizer Edelkastanienwälder

Die Edelkastanie stammt ursprünglich wohl aus Südosteuropa und dem Gebiet der heutigen Türkei. Sie wurde bei uns ebenso wie die Weinrebe von den Römern eingeführt, denn ihre nahrhaften, wohlschmeckenden und zudem gut lagerfähigen Früchte waren schon lange geschätzt. Obwohl es auch nördlich der Alpen kleinere Kastanienbestände gibt, sind in der Schweiz vor allem die ausgedehnten Kastanienwälder des Kantons Tessin und der Südbündner Täler bekannt.

Edelkastanien sind durch den aus Asien eingeschlepptenKastanienrindenkrebs (Cryphonectria parasitica) bedroht. Die Krankheit scheint derzeit zum Glück unter Kontrolle. Seit einigen Jahren tritt  zudem die Japanische Esskastanien-Gallwespe (Dryocosmus kuriphilus) auf, die ebenfalls ursprünglich im asiatischen Raum beheimatet ist.

Kastanienbäume können alt und sehr dick werden und weisen durch die frühere Bewirtschaftung oft eine typische Wuchsform auf. Die Forschungsanstalt WSL hat die 300 imposantesten Kastanienbäume der Südschweiz inventarisiert.

Rosskastanie: Zierbaum und Schattenspender

Die natürlichen Vorkommen der Rosskastanie liegen in Nordgriechenland, Albanien und Mazedonien. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wurde sie nach Mitteleuropa eingeführt und war fortan als Zierbaum im Stadtgebiet oder als Wildfutterlieferant in Wäldern geschätzt. Die Rosskastanie ist auch beliebter Schattenspender an Uferpromenaden oder in Biergärten. 2005 wurde sie zum Baum des Jahres gekürt (vgl. waldwissen.net).

Rosskastanien-Sterben im städtischen Grün, Rosskastanien-Sterben, Rosskastanien-Pilz, Kastanien-Miniermotte, Verkehrssicherung Kastanie, Kastanienproblematik, Kastanien-Blattverfärbung, Kastanienverfärbung, Kastanien in Gefahr, Kastanien in städtischen Gebieten, Kastanien-Problem, Aesculus hippocastanum